Auch wenn es auf den ersten Blick anders klingen mag, ist das Analysieren eines Fußballspiels komplett etwas anderes als ein normales Mitverfolgen. Schließlich durchleuchten die Experten ein Geflecht aus Bewegungen, Räumen und Mustern. Dieses ist dermaßen komplex, dass die geschulte Spielbeobachtung eine echte Kunst darstellt. Doch nicht nur Scouts und Trainer greifen darauf zurück. Sie hilft nämlich auch denjenigen, die Prognosen abgeben und beim Buchmacher Vergleich den Überblick behalten möchten. Aber schauen wir uns genauer an, worauf die Experten achten.
Bei der Spielanalyse zählen nicht nur die Tore
Nicht immer, aber häufig genug kommt es vor, dass das Endergebnis nur die halbe Wahrheit erzählt. Denn ein klar unterlegenes Team kann mit 1:0 gewinnen, und ein anderes kann verlieren, weil es seine Chancen nicht nutzt. Es ist also wichtiger, die Entstehungsgeschichte eines Resultates zu analysieren und zu bewerten, wie die Teams tatsächlich aufgetreten sind. Nur so können Sie Leistungen objektiv einordnen und die jeweiligen Stärken sowie Schwächen erkennen. Was früher vor allem auf dem Bauchgefühl basierte, ist heute die Basis für einen eigenständigen Beruf, auf den kaum ein Profiklub verzichtet.
Der taktische Blick auf die Formationen und Räume
Zunächst einmal gilt es bei einer solchen Beobachtung, das Grundsystem zu erkennen. Also exemplarisch, ob die Kontrahenten im 4-3-3, im 3-5-2 oder auch in einem je nach Spielphase wechselnden System agieren. Ein weiterer Fokus liegt darauf, wie sie den Raum aufteilen, ob sie die Halbräume besetzen und wie hoch sie verteidigen. Besonders häufig ist von den Umschaltmomenten die Rede, bei denen die Teams nach Ballverlust auf Verteidigung umschalten und nach einem Ballgewinn kontern. Ebenso essenziell ist die Arbeit gegen den Ball: Sprich, verteidigen die Teams im hohen Pressing oder ziehen sie sich in einen tiefen, kompakten Block zurück? Und natürlich zählt dazu auch die Reaktion, wenn der Kontrahent das System durchschaut.
Die Macht der Daten bei der Spielbeobachtung
Sie kommen bei modernen Analysen nicht ohne spezielle Statistiken herum. Zu den wichtigsten Kennzahlen, die das bloße Auge übersieht, zählen:
- Die Expected Goals oder xG, welche die Torchancen bewerten und zeigen, wie viele Treffer eine Mannschaft mit diesen eigentlich hätte markieren müssen.
- Mit den PPDA oder Pässen pro Abwehraktion können Sie messen, wie aggressiv und hoch ein Team presst.
- Der Ballbesitz und die Passquote sind nur im Kontext aussagekräftig, weil viel Ballbesitz nicht automatisch für eine Überlegenheit steht. Trotzdem geben diese Metriken Hinweise auf die Spielkontrolle mit auf den Weg.
- Die Anzahl der progressiven Pässe und das Packing beschreiben, wie viele Gegenspieler überspielt und damit ausgeschaltet werden.
- Der körperliche Aufwand wird durch die Laufdaten sowie Sprints dokumentiert. Diese Statistiken helfen etwa in der Schlussphase beim Aufdecken konditioneller Schwächen.
Die Bedeutung der Videoanalyse und Technologie
Ebenso unabdingbar sind die Videoanalysten, die eine Begegnung in einzelne Szenen aufteilen, Laufwege markieren sowie Standbilder festhalten. Außerdem zeigen dank der von ihnen erstellten Heatmaps, wo sich die jeweiligen Akteure bevorzugt aufhalten. Das gelingt ihnen mithilfe von Tracking-Systemen, welche die Positionen mehrmals pro Sekunde erfassen.
Und wie in vielen anderen Bereichen auch, kommt hier die künstliche Intelligenz ins Spiel, denn sie kann immer mehr dieser Muster erkennen. All das ermöglicht eine penible Vorbereitung auf die kommenden Gegner und eine Offenlegung der eigenen Fehlerquellen. Diese Erkenntnisse werden von den Analystenteams unter anderem zu Gegnerberichten mit den typischen Spielzügen, bevorzugten Anspielstationen und individuellen Spielgewohnheiten verarbeitet. Mithilfe der Erkenntnisse beim Seitenwechsel können die Trainer im Hinblick auf die zweite Hälfte gezielt nachjustieren.
Die menschliche Komponente ist weiterhin ein Muss
Da die Zahlen zum Beispiel nicht erklären, wie sich die Körpersprache nach einem Gegentor verändert oder ob eine Mannschaft mental angeschlagen wirkt, bleibt der erfahrene Blick unerlässlich. Es gilt immer, die Daten mit den Beobachtungen zum Spielgeschehen und einem Gespür für die Spielpsychologie zu kombinieren. Erst dann kann von einem vollständigen Bild die Rede sein.







