Wenn Sie durch einen Park spazieren, begegnen Sie ihnen oft: Flink huschen sie die Bäume hinauf, knabbern an einer Nuss oder beobachten uns mit ihren großen, dunklen Augen. Die Rede ist von Eichhörnchen.
Die kleinen, rotbraunen Kletterkünstler sind für viele ein Symbol für Naturidylle und harmloses Wildtierleben. Doch immer wieder taucht die Frage auf: Sind Eichhörnchen gefährlich für Menschen? Oder ist die Sorge unbegründet?
Wir beleuchten die Fakten und räumen mit Mythen auf, um Ihnen ein klares Bild dieser faszinierenden Tierart zu vermitteln.
Sind Eichhörnchen gefährlich für Menschen?
Die direkte Antwort lautet: In den allermeisten Fällen sind Eichhörnchen nicht gefährlich für Menschen. Das Europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist von Natur aus scheu und zieht es vor, Kontakt zu vermeiden.
Als Wildtier besitzt es zwar Zähne und Krallen, die es bei Bedrohung oder im Kampf einsetzen würde, aber es sieht den Menschen nicht als Beute oder natürlichen Feind, den es aktiv angreifen müsste.
Eine Gefahr kann in extrem seltenen Situationen entstehen, wenn ein Eichhörnchen in die Enge getrieben wird oder sich bedroht fühlt. In diesem Fall kann es beißen, um sich zu verteidigen.
Meist handelt es sich dabei um Tiere, die entweder verletzt oder krank sind und deshalb nicht fliehen können oder um Tiere, die unsachgemäß gefüttert und dadurch zu zutraulich geworden sind. Das Tier verliert dann seine natürliche Scheu, und es kann zu Missverständnissen kommen.
Sind Eichhörnchen angriffslustig?
Grundsätzlich sind Eichhörnchen nicht angriffslustig. Ihr natürliches Verhalten ist die Flucht. Sie sind Meister im Klettern und schnellen Bewegen und nutzen diese Fähigkeiten, um potenziellen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Ein gezielter Angriff auf einen Menschen ist in freier Natur nahezu ausgeschlossen.
Anders sieht es unter Umständen bei der Fütterung aus. Werden die Tiere an die Handfütterung gewöhnt, lernen sie, dass Menschen mit Futter gleichzusetzen sind. Wenn dann das erwartete Futter nicht schnell genug kommt, können sie in ihrer Aufregung versehentlich nach der Hand schnappen.
Dies ist jedoch kein Zeichen von Aggression, sondern eher ein Futterinstinkt. Experten raten dringend davon ab, Wildtiere, auch ein Eichhörnchen, aus der Hand zu füttern, gerade um solche Situationen zu vermeiden und die Scheu des Wildtiers zu erhalten.
Können Eichhörnchen Krankheiten auf Menschen übertragen?
Dies ist wohl die häufigste Sorge, wenn es um die Frage geht, ob Eichhörnchen gefährlich für Menschen sind.
Wie alle Wildtiere können auch Eichhörnchen Krankheitserreger und Parasiten in ihrem Fell tragen, allerdings ist das Risiko einer Übertragung auf den Menschen relativ gering.
Gefährliche Krankheiten – Ein seltener Fall
- Tollwut: Obwohl Eichhörnchen theoretisch Tollwut übertragen können, sind sie in Deutschland und weiten Teilen Europas keine typischen Überträger. Die Gefahr ist extrem gering.
- Borreliose und FSME: Das Eichhörnchen selbst überträgt diese Krankheiten nicht direkt, aber es kann, wie jedes Säugetier, von Zecken befallen sein. Die Zecken selbst sind die Überträger. Nach Kontakt mit einem Wildtier oder Aufenthalt in der Natur sollte man sich immer auf Zecken untersuchen.
- Parasiten: Flöhe, Milben oder Zecken können im Fell des Eichhörnchens vorkommen und temporär auf den Menschen übergehen. Diese sind meist lästig, aber in der Regel gut behandelbar.
Umgang mit kranken oder verletzten Tieren
Sollten Sie ein krank oder verletzt wirkendes Eichhörnchen finden, ist es wichtig, es niemals direkt anzufassen. Kranke Tiere können eine höhere Konzentration an Keimen aufweisen.
Wenden Sie sich in diesem Fall immer an eine spezialisierte Auffangstation, eine Wildtierstation oder einen Tierarzt. Diese Fachleute wissen, wie man das Tier sicher rettet und behandelt.
Das Europäische Eichhörnchen und seine Besonderheiten
Das heimische Europäische Eichhörnchen ist ein tagaktives, sehr anpassungsfähiges Tier. Es ist bekannt für sein charakteristisches rotbraunes bis braunes Fell – wobei auch hier Farbvariationen bis hin zu schwarze Eichhörnchen vorkommen können.
Die Farbe variiert saisonal und regional stark, aber es handelt sich immer um dieselbe Tierart. Sie sind hervorragende Baumbewohner, die ihre Kobel (Nest) in Astgabeln oder Baumhöhlen bauen.
Das Grauhörnchen: Eine invasive Art
Eine gänzlich andere Situation besteht in Großbritannien und Teilen Italiens, wo das amerikanische Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) durch seine Ausbreitung das heimische Europäische Eichhörnchen massiv verdrängt.
Das Grauhörnchen ist nicht nur größer und robuster, es trägt auch den sogenannten Eichhörnchen-Pocken-Virus (Parapoxvirus), gegen den es selbst immun ist, der aber für das Europäische Eichhörnchen tödlich sein kann.
In Deutschland ist das Grauhörnchen noch nicht etabliert, aber es steht auf der EU-Liste invasiver Arten. Zwar ist auch das Grauhörnchen in der Regel nicht direkt gefährlich für den Menschen, jedoch kann es bei Kontakt – beispielsweise in städtischen Parks – zutraulicher und damit potenziell aggressiver im Futterneid sein als sein europäischer Vetter.
Die Hauptgefahr, die vom Grauhörnchen ausgeht, ist die ökologische Bedrohung des heimischen Eichhörnchens und nicht die direkte Gefahr für den Menschen.
Fazit: Eichhörnchen gefährlich für Menschen?
Die Frage „Sind Eichhörnchen gefährlich für Menschen?“ kann abschließend mit einem klaren Nein beantwortet werden, solange man die Grundregeln des Umgangs mit Wildtieren beachtet.
- Halten Sie Abstand: Beobachten Sie die Tiere aus einer respektvollen Distanz.
- Nicht füttern: Überlassen Sie dem Eichhörnchen die Nahrungssuche im Wald (zum Beispiel Nuss-Bestände).
- Keinen Kontakt: Fassen Sie niemals ein scheinbar hilfloses Tier ohne dicke Handschuhe oder professionelle Hilfe an.
Das heimische Eichhörnchen ist ein faszinierendes Geschöpf unserer Natur. Solange Sie seine natürliche Scheu respektieren, wird es Ihnen viel Freude bereiten, ohne dass eine Gefahr von ihm ausgeht. Bei Sorgen oder Funden wenden Sie sich immer an die Experten einer Wildtierstation oder Auffangstation.






