Wenn die Fastnacht ihren glanzvollen Höhepunkt erreicht und der „Zuch“ sich durch die Mainzer Straßen schlängelt, gibt es ein Lied, das die Herzen der Narren im Sturm erobert. „Am Rosenmontag bin ich geboren“ ist weit mehr als nur ein Schlager der 1960er Jahre.
Es ist ein Lebensgefühl, eine Liebeserklärung an die rheinische Lebensfreude und untrennbar mit einer ganz besonderen Frau verbunden.
In diesem Beitrag tauchen wir ein in die Geschichte hinter dem Hit, beleuchten das Leben der Interpretin und klären die brennendsten Fragen rund um diesen unvergesslichen Fastnachtsklassiker.
Margit Sponheimer: Die Frau hinter der Hymne
Wer über die Mainzer Fastnacht spricht, kommt an einem Namen nicht vorbei: Margit Sponheimer. Geboren im hessischen Frankfurt am Main, wurde sie zur unangefochtenen Königin der Mainzer Bühne.
Mit Charme, Witz und einer unverwechselbaren Stimme brach sie in eine Domäne ein, die lange Zeit fast ausschließlich Männern vorbehalten war.
Ein Leben für die Bühne
Schon früh entdeckte Margit Sponheimer ihre Leidenschaft für das Klavierspiel und den Gesang. Doch ihr Weg führte sie nicht etwa in die klassische Oper, sondern mitten in das Herz der Mainzer Fastnacht.
Seit 1959 ist sie festes Mitglied beim Mainzer Carneval-Verein (MCV). Ihr Leben ist geprägt von unzähligen Auftritten in der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“, wo sie als „Margit“ zur absoluten Kultfigur avancierte.
Obwohl sie offiziell im Jahr 1998 ihren Abschied von der Fastnachtsbühne feierte, blieb sie den Menschen erhalten. Sie wechselte auf die Theaterbühne und bewies dort ihr schauspielerisches Talent, doch ihre musikalischen Wurzeln vergaß sie nie.
Am Rosenmontag bin ich geboren: Ein Lied geht um die Welt
Der Song, der sie unsterblich machte, erschien im Jahr 1969. Komponiert wurde das Werk von Hans Knipp, der auch für viele Hits der Bläck Fööss verantwortlich zeichnete.
Der Text fängt die Essenz der „fünften Jahreszeit“ perfekt ein: Es geht um die schicksalhafte Verbindung zwischen dem Geburtsdatum und der närrischen Bestimmung.
Doch hält der Songtext eigentlich dem Faktencheck stand?
Ist Margit Sponheimer am Rosenmontag geboren?
Es ist eine der am häufigsten gestellten Fragen, wenn Fans das Lied mitsingen. Die Antwort ist ein klares: Nein. Tatsächlich wurde Margit Sponheimer am 7. Februar 1943 geboren. Ein Blick in den Kalender der Fastnachtstermine verrät, dass der Rosenmontag im Jahr 1943 auf den 8. März fiel.
Die Diskrepanz zwischen Liedtext und Realität hat der Beliebtheit des Songs jedoch nie geschadet. In der Fastnacht zählt schließlich die Emotion, nicht die kalendarische Korrektheit. Für die Fans ist Margit im Geiste an jedem Rosenmontag neu geboren.
Wer hat Rosenmontag erfunden?
Um die Bedeutung des Liedes „Am Rosenmontag bin ich geboren“ vollends zu verstehen, muss man einen Blick auf den Ursprung des Tages selbst werfen. Entgegen der landläufigen Meinung ist der Rosenmontag keine Erfindung der Neuzeit.
Die Bezeichnung geht auf das Jahr 1823 und das Kölner „Festordnende Comité“ zurück. Der Name leitet sich vom „Rosensonntag“ (Laetare) ab. An diesem Tag traf sich das Komitee zu seiner Jahreshauptversammlung.
Da der Tag nach dem Rosensonntag stattfand, bürgerte sich der Name Rosenmontag für den großen Umzugstag ein. Seitdem ist er der Dreh- und Angelpunkt der rheinischen Fastnachtskultur und bietet die perfekte Bühne für Hymnen wie die von Margit Sponheimer.
Wie alt ist Margit Sponheimer?
Viele fragen sich heute: Wie geht es der Grande Dame der Mainzer Fastnacht eigentlich? Margit Sponheimer feierte im Jahr 2023 ihren 80. Geburtstag. Trotz ihres Alters ist sie nach wie vor eine gefragte Persönlichkeit und ein gern gesehener Gast bei kulturellen Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet.
Ihre Vitalität und ihre positive Ausstrahlung sind ein Beweis dafür, dass Fastnacht jung hält. Sie hat es geschafft, Generationen von Narren zu verbinden – von den Großeltern, die sie noch live im Fernsehen sahen, bis hin zu den Enkeln, die ihren Hit heute in den Festzelten mitsingen.
Die Bedeutung für die Mainzer Fastnacht
Warum ist gerade dieser Titel so wichtig? „Am Rosenmontag bin ich geboren“ markierte einen Wendepunkt.
Es war einer der ersten Titel, der den Spagat zwischen traditionellem Karnevalslied und modernem Schlager schaffte. Das Lied brachte eine Leichtigkeit mit sich, die perfekt zum Lebensgefühl der späten 60er Jahre passte.
Dazu kommen die typischen Merkmale, die den Song auszeichnen:
- Mitsing-Garantie: Der Refrain ist so eingängig, dass man ihn nach dem ersten Hören beherrscht.
- Identifikation: Jeder Fastnachter fühlt sich angesprochen, egal ob er tatsächlich im Februar oder im Hochsommer Geburtstag hat.
- Zeitlosigkeit: Auch über 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung wirkt das Arrangement nicht angestaubt.
Fazit: Am Rosenmontag bin ich geboren – ein Denkmal der Lebensfreude
Margit Sponheimer hat mit diesem Lied ein Denkmal gesetzt – für sich selbst, aber vor allem für die Menschen, die die Fastnacht lieben. Es spielt keine Rolle, ob sie wirklich an einem Rosenmontag das Licht der Welt erblickte. Was zählt, ist die Authentizität, mit der sie die rheinische Seele verkörpert.
Wenn Sie das nächste Mal „Am Rosenmontag bin ich geboren“ hören, denken Sie an die lange Tradition, die hinter diesen Zeilen steckt. Es ist ein Stück deutscher Kulturgeschichte, das uns lehrt, das Leben nicht immer ganz so ernst zu nehmen.
Weitere spannende Einblicke in die Geschichte des Brauchtums finden Sie im Deutschen Fastnachtmuseum, das die Entwicklung dieser einzigartigen Tradition wunderbar dokumentiert.
Wussten Sie schon? Margit Sponheimer ist zudem Ehrenbürgerin der Stadt Mainz. Eine Auszeichnung, die unterstreicht, wie tief verwurzelt sie und ihr Song in der DNA der Stadt sind.







